Die hochsensible Alarmanlage – Leben mit Angst

„Einfach mal machen“ – das ist mittlerweile mein erfolgreiches Lebensmotto. Doch diesen Spruch, den ich heute (zumindest in den meisten Fällen) so einfach sagen und umsetzen kann, war nicht immer der Leitsatz, nach welchem ich gelebt habe. Es war ein langer Lernprozess mit vielen Erfahrungen, der weiterhin andauert.

Der innere Kampf

Hochsensible Seelen kämpfen sich viel zu oft durch das Leben. Es scheint, als ob ein innerer Dämon dem Leben jegliche Leichtigkeit nimmt: sie haben eine offene und subtile Wahrnehmung und verarbeiten Reize intensiver, was zu stärkeren Gefühlsreaktionen führt. Dieses emotionale Verhalten wird durch das sogenannte Verhaltenshemmungssystem („behavioral inhibition system“, BIS) des Gehirns gesteuert. Diese Ausprägung sorgt dafür, dass der Organismus in ständiger Alarmbereitschaft ist. Das Angstmonster ist aktiv und wütet nahezu unzähmbar im Hirn, um dem Besitzer möglichst jeden Spaß im Leben zu verwehren. Genau genommen ist dieses innere Wesen dazu da, vor negativen Erfahrungen zu schützen. Es hat seine Daseinsberechtigung und will eigentlich nur das Beste. Wenn da nur nicht die lange Reihe von Folgeerscheinungen wäre… Die erhöhte Erregbarkeit von Hochsensiblen gepaart mit der übermäßigen Aufmerksamkeit für Umwelteinflüsse sorgen für leichte Ablenkung, Überwältigung, Stress bis hin zu Panik und Depressionen. Der Angstdämon ist hungrig. Ein Serotonin-gesteuerter Teufelskreis beginnt.

Dagegen scheint das Leben von impulsiven Persönlichkeiten, bei denen das Verhaltensaktivierungssystem („behavioral activation system“, BAS) aktiv ist, so wundervoll zu sein: ihr innerer Kampfgeist ist strukturiert und willensstark. Sie zeichnen sich durch ein Verhalten aus, dass sie fokussiert zum Ziel führt. Eine ganze Herde von Kämpferinnen scheint das Treiben zu steuern, angetrieben von einem nahrhaften Dopamin-Kuchen. Und als Sahnehäubchen auf der Erfolgstorte gibt es positive Gefühle im Überschuss. Neuartige Situationen bereiten ihnen keine Schwierigkeiten – im Gegenteil. Wie die alten Wikinger kundschaften sie das unbekannte Terrain aus, um nur so von unerwarteten Überraschungen überwältigt und animiert zu werden.

Die gute Nachricht: in jedem steckt ein Kampfgeist. Impulsives Verhalten ist lernbar, denn die Gehirnsysteme sind Gott sei dank nicht ausschließlich durch die Veranlagung festgesetzt, sondern werden gleichermaßen von Umweltfaktoren und Erfahrungen beeinflusst. Das BAS ist demnach konditionierbar. Die Frage lautet nur: wie?

Wie ich mein Gehirn trainiere

Bis heute bereiten mir unbekannte Situationen Angst und Unbehagen. Ich bin eine ängstliche Person. Telefonate sind für mich von Herzrasen begleitete Horrorszenarien, Sprachaufnahmen wegen Angstkomplexen fast ein Ding der Unmöglichkeit. Doch dann gibt es diese neugierigen Momente in der inneren Aufblühphase, in denen ich dem Drang nach Abenteuer einfach nicht widerstehen kann. Meine positiven Erfolgserlebnisse durch meine Spontan-Auswanderung ohne Plan und finanzielle Ressourcen, dem Aufbau einer Selbstständigkeit bis hin zum Hauskauf haben mir gezeigt, dass durchaus Probleme auftreten. Das Leben funktioniert nicht ohne Scheitern. Doch ich bin in all diesen Szenarien stets meiner tiefsten Intuition gefolgt und habe gelernt, dass nicht immer das Schlimmste eintrifft. Ganz im Gegenteil: je mehr ich wage, desto besser scheint mein Erfolgskuchen zu schmecken. Nicht zuletzt bieten mir all diese Erfahrungen ein unglaubliches Wachstumspotential. Diese Erkenntnis ist für mich unfassbar bereichernd, denn sie nährt mein Selbstwertgefühl und gibt mir stetig mehr Selbstvertrauen.

Erwecke deine Kämpferin zum Leben

In Sachen Ängste und Zweifel spielen Erfahrungen vom Gelingen und Scheitern eine bedeutsame Rolle. Fehlen positive Erkenntnisse, scheint es fast unmöglich, aus dem Kreislauf der Angst auszubrechen. Doch es gibt Hoffnung: in der Tierwelt sind es die hochsensiblen Geschöpfe, die ihre Herde aus Gefahrensituationen herausführen. Sie sind die kühlen Köpfe, die unter dem größten Stress plötzlich für Ruhe sorgen und die Situation entschärfen. Sei dir bewusst, dass in dir ungeahnte Kräfte stecken, die nur auf eine Aktivierung warten. Veränderung geschieht oft in winzigen Etappen. Doch jedes einzelne Korn bekommt erst durch das Aussäen die Möglichkeit zu wachsen. Überstürze nichts, höre auf deine Intuition und folge deinem weiblichen Rhythmus. Orchideen wachsen langsam, doch es ist Zeit zum Aufblühen.

#zeitfürveränderung

  • erschaffe dir deine eigene ungestörte Wohlfühlwelt
  • probiere neue Sachen genau dann aus, wenn du den Drang danach verspürst
  • gehe deinen Zielen in für dich angenehmen Schritten entgegen und akzeptiere, wenn es nicht geht
  • genieße jedes noch so kleinste Erfolgserlebnis
  • führe Tagebuch oder dokumentiere deine positiven Erlebnisse mit Fotos und Videos

2 Kommentare zu „Die hochsensible Alarmanlage – Leben mit Angst

  1. Diesen Beitrag aus deiner Gefühlswelt ist wirklich sehr klug und authentisch geschrieben und inspiriert und motiviert mich viele deiner Einstellungen anzunehmen und selbst zu beherzigen. Danke. Mal wieder. Oder besser gesagt wie fast jedesmal.
    Lg Nadine

    1. Vielen Dank 🙂 Es ist immer wieder total herzerwärmend zu lesen, dass ich Menschen da draußen erreiche und inspirieren kann ❤ Genau das treibt mich an, weiterzumachen und mein Seelenleben mit der Welt zu teilen.

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